Die Prophezeiungen von Celestine
Der Autor
[block]Der Autor James Redfield studierte Soziologie und war 15 Jahre lang als Therapeut in der Jugendarbeit tätig, bevor er mit den »Prophezeiungen von Celestine« einen Weltbestseller schrieb Er lebt und arbeitet im Süden der USA Als Autor wie auch als Herausgeber der Monatszeitschrift »The Celestine Journal« ist er weiter an der Formung der neuen spirituellen Kultur beteiligt Bei Heyne ist von ihm außerdem erschienen »Die zehnte Prophezeiung von Celestine«, »Der kleine Celestine-Führer zu den Neun Erkenntnissen«, »Der kleine Celestine-Führer zur zehnten Erkenntnis«, »Die Vision von Celestine«, »Leben mit den Prophezeiungen von Celestine«, sowie in Zusammenarbeit mit Carol Adnenne die Arbeitsbücher »Die Erkenntnisse von Celestine« und »Das Handbuch der zehnten Prophezeiung von Celestine«, »Das Lied von Celestine« (James Redfield und Dee Lillegard[/block]
Kapitel
- Eine kritische Masse
- Das verlängerte Jetzt
- Eine Frage der Energie
- Der Kampf um Macht
- Die Botschaft der Mystiker
- Die Klärung der Vergangenheit
- Der Energiefluß tritt ein
- Die interpersonelle Ethik
- Das Auftauchen einer Kultur
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Inhaltsangabe
[block]Die abenteuerliche Geschichte eines Mannes, der durch Zufall von einer 2600 Jahre alten peruanischen Handschrift erfährt, die in neun Prophezeiungen die Wege zu einem neuen spirituellen Zeitalter weisen soll. Kurz entschlossen macht er sich auf den Weg nach Peru, um auf eigene Faust dem geheimnisvollen Manuskript auf die Spur zu kommen Und nun überschlagen sich die Ereignisse. Seltsame Zufälle helfen ihm Schritt für Schritt voran, bringen ihn immer wieder in Kontakt mit Menschen, die wie er auf der Suche nach dem Manuskript und den Prophezeiungen sind und ihm den Weg weisen können.
Doch dieser Weg ist nicht ungefährlich, denn auch Kirche und Staat wissen von dem Manuskript und versuchen mit aller Macht, die Verbreitung der Erkenntnisse zu verhindern, da sie deren Einfluß fürchten Gefährliche Verfolgungsjagden sind zu bestehen, Ängste und Zweifel müssen ausgeräumt werden, doch immer wieder findet sich auf verschlungenen Pfaden ein weiterer Teil des Manuskripts. Von Erkenntnis zu Erkenntnis schreitend, wird der Weg zum eigenen Selbst und zu einem neuen spirituellen Bewußtsein immer deutlicher James Redfields außergewöhnliche Version einer neuen Spiritualität ist weltweit zum Kultbuch des neuen Zeitalters geworden Abenteuergeschichte und Buch der Erkenntnisse in einem, trifft dieser Roman den Nerv der Zeit und hat bereits Millionen von Lesern die geistigen Voraussetzungen für den Quantensprung in ein spirituelles Bewußtsein nahegebracht[/block]
Leseprobe
Eine kritische Masse
[block]Ich parkte meinen Wagen vor dem Restaurant und lehnte mich im Sitz zurück, um mich einen Moment zu sammeln. Drinnen würde Charlene darauf warten, mit mir zu reden, und ich fragte mich, weshalb gerade jetzt? Seit sechs Jahren hatte ich kein Sterbenswort von ihr gehört. Weshalb tauchte sie ausgerechnet auf, nachdem ich beschlossen hatte, mich für einige Zeit in die Einsamkeit der Wälder zurückzuziehen?
Ich stieg aus dem Wagen und ging in Richtung Restaurant. Hinter meinem Rücken versank die Sonne und tauchte den Parkplatz in ein tiefes, bernsteinfarbenes Gold. Vor kaum einer Stunde noch war die ganze Gegend von einem kurzen, aber heftigen Gewittersturm gebeutelt worden. Jetzt hatte der Sommerabend sich abgekühlt und erfrischt, und das allmählich schwindende Tageslicht verlieh der Szenerie eine fast surreale Stimmung. Über mir schob sich der Halbmond durch die Wolken.
Während ich auf das Restaurant zuging, schössen mir alte Bilder von Charlene durch den Kopf. Würde sie noch so schön und ernsthaft sein wie früher? Wie sehr würden die Jahre sie verändert haben? Und was sollte ich von dem Manuskript halten, das sie erwähnt hatte - jene seltsame und scheinbar uralte Handschrift, die man vor kurzem in Südamerika gefunden hatte und von deren Inhalt sie mir jetzt so dringend berichten wollte?
»Ich werde zwei Stunden Aufenthalt am Flughafen haben«, hatte sie am Telefon gesagt. »Können wir uns zum Abendessen treffen? Die Botschaft der Hand
schrift wird dich begeistern - du magst doch diese Art von Geheimnissen.« Welche Art von Geheimnissen? Ich hatte keine Ahnung, wovon sie redete.
Das Restaurant war überfüllt. Einige Paare standen herum und warteten auf ihre Tische. Als ich endlich die Empfangsdame aufgetrieben hatte, erklärte sie mir, daß Charlene mich bereits an einem der Tische erwartete, und führte mich dann zu einer kleinen Galerie über dem eigentlichen Speisesaal.
Ich ging die Stufen hoch, und mir fiel auf, daß einer der Tische dort von einer Gruppe Menschen regelrecht belagert wurde. Unter ihnen auch zwei Polizisten, die sich unvermittelt umdrehten und an mir vorbei die Stufen hinabeilten. Während sich die Umstehenden zerstreuten, gelang es mir endlich, einen Blick auf die Person zu werfen, die derart im Mittelpunkt des Interesses stand - es war Charlene. »Was ist los, Charlene? Stimmt was nicht?«
Mit gespielter Erschöpfung warf sie den Kopf in den Nacken, erhob sich und schenkte mir ihr berühmtes Lächeln. Ich bemerkte, daß sie ihre Haare irgendwie anders trug, ansonsten war ihr Gesicht jedoch noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte, die gleichen feinen und sensiblen Züge, ein breiter Mund und riesige blaue Augen.
»Du wirst es nicht für möglich halten«, sagte sie und zog mich freundlich an sich. »Aber vor ein paar Minuten hat mir, als ich auf der Toilette war, jemand meinen Aktenkoffer gestohlen.« »Wichtige Sachen?«
»Nichts Besonderes, bloß ein paar Bücher und Zeitungen, die ich im Flugzeug lesen wollte. Eine verrückte Sache. Die anderen. Gäste sagten, daß jemand schnurstracks auf meinen Tisch zugegangen sei, den Koffer griff und wieder verschwand. Sie gaben der
Polizei eine Beschreibung der Person, und die Cops durchsuchen jetzt die Gegend.« »Soll ich ihnen dabei helfen?«
»Ach was, vergiß es. Ich habe kaum noch Zeit und will mit dir reden.«
Ich nickte, und Charlene schlug vor, wir sollten uns endlich setzen. Ein Kellner näherte sich, also überflogen wir die Speisekarte und bestellten. Danach plauderten wir ein paar Minuten. Obwohl ich mich bemühte, die Folgen meiner selbstauferlegten Einsamkeit herunterzuspielen, hatte Charlene meine Geistesabwesenheit sofort bemerkt. Sie beugte sich vor und lächelte.
»Also, was ist nun wirklich mit dir los?« fragte sie.
Ich blickte ihr in die Augen und merkte, daß sie echtes Interesse an der Frage zu haben schien. »Du mußt immer gleich die ganze Geschichte hören, stimmt's?« »Immer«, bestätigte sie.
»Nun, um ehrlich zu sein, nehme ich mir einfach etwas Zeit für mich. Ich lebe unten am See und denke daran, meinem Leben eine völlig andere Richtung zu geben.«
»Ich erinnere mich an den See. Ich dachte, deine Schwester und du, ihr hättet das Haus dort verkauft.«
»Bisher noch nicht. Aber da das Land so nah an der Stadtgrenze liegt, werden andauernd die Steuern erhöht.« Sie nickte. »Und was dann?«
»Ich weiß noch nicht. Irgend etwas ganz anderes.«
Sie sah mich neugierig an. »Klingt, als seist du ebenso rastlos wie alle anderen heutzutage.« »Möglich«, sagte ich. »Wie kommst du darauf?«
»Es steht in dem Manuskript.« Schweigend erwiderte ich ihren Blick. »Erzähl mir von dieser Handschrift«, sagte ich.
Sie lehnte sich zurück, als müßte sie ihre Gedanken sammeln, dann blickte sie mir wieder in die Augen. »Ich glaube, ich habe dir bereits am Telefon erzählt, daß ich vor einigen Jahren meinen Job bei der Zeitung aufgegeben habe und bei einem Forschungsunternehmen anfing, das im Auftrag der UN mit der Erhebung kultureller und demographischer Veränderungen beauftragt ist. Mein letzter Auftrag dort führte mich nach Peru.
Während einiger Recherchen an der Universität von Lima stieß ich immer wieder auf Gerüchte über den Fund einer alten Handschrift -allerdings schien niemand in der Lage, mir Genaueres zu sagen, nicht einmal das Archäologische oder das Ethnologische Institut. Als ich mich mit der Regierung in Verbindung setzte, leugnete man dort jede Kenntnis von der Schrift. Schließlich erzählte mir jemand, daß die Regierung die Existenz des Dokumentes aus irgendeinem Grund zu unterschlagen versuchte. Doch Genaueres wußte er auch nicht.
Du weißt ja, wie neugierig ich bin«, fuhr sie fort. »Sobald mein eigentlicher Auftrag erfüllt war, entschied ich mich, noch ein paar Tage zu bleiben und der Sache auf den Grund zu gehen. Zuerst geriet ich von einer Sackgasse in die nächste. Aber eines Tages aß ich in einem Cafe außerhalb von Lima zu Mittag und bemerkte, daß ich von einem alten Priester beobachtet wurde. Nach ein paar Minuten trat er schließlich an meinen Tisch und gestand, daß er am Morgen des gleichen Tages von meiner Suche nach dem Manuskript gehört hatte. Er weigerte sich zwar, mir seinen Namen zu geben, willigte aber ein, mir alle meine Fragen zu beantworten.«
Einen Augenblick zögerte sie und schaute mich dabei unverwandt an. »Er behauptete, daß die Handschrift aus dem Jahr 600 vor Christus stamme und eine massive Transformation der menschlichen Gesellschaft voraussagt.« »Für wann?«
»Für die letzten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts.« »Für jetzt?« »Ja, jetzt.«
»Um was für eine Transformation soll es sich denn handeln?« fragte ich.
Sie wirkte ein wenig verlegen, bevor sie mit Nachdruck weitersprach. »Der Priester ließ mich wissen, daß es sich um eine Wiedergeburt des Bewußtseins handelt, die sehr langsam vonstatten geht. Sie ist spiritueller und nicht religiöser Natur. Wir sind angeblich dabei, etwas bahnbrechend Neues über die menschliche Lebensform auf diesem Planeten zu entdecken, etwas, das uns den Sinn unserer Existenz erklären und unsere Kultur dramatisch verändern wird.«
Wieder hielt sie inne und fügte dann hinzu: »Der Priester sagte mir, daß die Handschrift aus unterschiedlichen Abschnitten bestehe, von denen jeder eine besondere Erkenntnis über unser Leben enthält. Die Schrift sagt voraus, daß die Menschen unserer Zeit damit beginnen werden, diese Erkenntnisse eine nach der anderen zu verstehen, und sich da durch auf eine vollkommen spirituelle Daseinsform zubewegen.«
Ich schüttelte den Kopf und hob zynisch eine Augenbraue. »Und das glaubst du?«
»Nun«, sagte sie. »Ich bin zumindest der Ansich...« »Schau dich doch um«, unterbrach ich sie und zeigte auf die Gäste des Restaurants im Raum unter uns. »Das hier ist die Realität. Kannst du irgendeine Veränderung erkennen?«
Gerade als ich das gesagt hatte, dröhnte eine zornige Bemerkung von einem der Tische an der Wand gegenüber durch den Raum. Ich verstand nicht, worum es ging, doch war die Bemerkung laut genug gewesen, um das gesamte Lokal verstummen zu lassen. Zunächst dachte ich, es sei ein weiterer Diebstahl passiert, dann merkte ich, daß es sich lediglich um eine gewöhnliche Auseinandersetzung handelte. Eine etwa dreißigjährige Frau war erregt aufgesprungen und starrte angewidert auf den ihr gegenüber sitzenden Mann.
»Nein«, schrie sie, »das Problem ist, daß diese Beziehung nicht so läuft, wie ich sie mir vorstelle! Verstehst du? Sie läuft verdammt noch einmal nicht!« Sie rang um ein wenig Fassung, warf ihre Serviette auf den Tisch und verließ das Lokal.
Charlene und ich starrten uns einen Augenblick lang an, einigermaßen schockiert über den Ausbruch, der sich genau in dem Augenblick ereignet hatte, als wir über die Leute im Lokal unter uns gesprochen hatten. Schließlich deutete Charlene mit einer Kopfbewegung in Richtung des Tisches, an dem der Mann jetzt allein saß, und sagte: »Genau diese Realität ist dabei, sich zu verändern.« »Wie?« fragte ich, immer noch leicht genervt.
»Die Transformation beginnt mit der sogenannten Ersten Erkenntnis, und wenn man dem Priester glauben kann, steigt diese Erkenntnis zunächst aus dem Unterbewußten auf und äußert sich in Form einer tiefen inneren Unruhe.« »Unruhe?« »Genau das.« »Und dann?«
»Genau das ist es! Zuerst sind wir verunsichert. Dem Manuskript zufolge beginnt damit unsere Einsicht in eine andere, neue Form des Erlebens... Gewisse Lebenssituationen scheinen urplötzlich eine andere Qualität zu haben, sie sind intensiver und anregender. Doch wissen wir weder, was das Wesen dieser Erfahrung ist, noch wie wir diese inspirierenden Momente halten können. Und wenn sie vorüber sind, fühlen wir uns unbefriedigt und rastlos, gefangen in einem Leben, das nun wieder gewöhnlich und uninteressant zu sein scheint.«
»Du meinst, daß innere Unruhe hinter dem Ausbruch der Frau gestanden hat?«
»Ja. Sie unterscheidet sich darin kein bißchen von uns. Wir alle suchen nach einem kleinen bißchen mehr Erfüllung und wollen nichts mehr mit Dingen zu tun haben, die uns runterziehen. Diese Unruhe steht hinter dieser >Ich-zuerst<-Einstellung der letzten Jahrzehnte und betrifft jeden, von den Jungs auf der Wall Street bis hin zu denen in den Straßengangs.«
Sie sah mir direkt in die Augen. »Und was Beziehungen angeht, haben wir so hohe Anforderungen entwickelt, daß wir sie nahezu unmöglich machen.«
Automatisch erinnerte ich mich bei diesen Worten an meine beiden letzten Beziehungen. Beide hatten mit der gleichen Intensität begonnen und waren vor Ablauf eines Jahres gründlichst gescheitert. Als ich meine Aufmerksamkeit wieder Charlene zuwandte, wartete sie noch auf meine Antwort.
»Und was machen wir in unseren Beziehungen falsch?« fragte ich.
»Auch darüber habe ich mit dem Priester lange Zeit gesprochen«, erwiderte sie. »Er meint, daß ein Krieg der Egos unvermeidlich ist, wenn beide Partner innerhalb einer Beziehung zu fordernd sind und vom anderen verlangen, in seiner Welt aufzugehen oder für seine Aktivitäten dauernd verfügbar zu sein.«
Was sie sagte, kam mir nur allzu bekannt vor. Meine beiden letzten Beziehungen waren im wahr sten Sinne des Wortes zu reinen Machtkämpfen verkommen. In beiden hatte sich ein starker Interessenkonflikt gezeigt, war alles zu schnell gegangen. Wir hatten uns zuwenig Zeit genommen, um über unsere unterschiedlichen Ansichten zu sprechen, Ansichten darüber, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten, welchen Weg wir einschlagen und welchen Interessen wir gemeinsam nachgehen sollten. Am Ende war der Streit darüber, wer den Ton angab und den Tagesablauf bestimmte, zu einem unüberwindlichen Hindernis geworden.
»Aufgrund dieser Machtkämpfe«, fuhr Charlene fort, »wird es immer schwieriger, mit einer Person für längere Zeit zusammenzubleiben.« »Klingt nicht sonderlich spirituell.«
»Das habe ich dem Priester auch gesagt«, erwiderte sie. »Doch er gab zu bedenken, daß die meisten gesellschaftlichen Mißstände auf diese innere Unruhe zurückzuführen seien; daß diese Probleme nur vorübergehender Natur sind und schließlich überwunden werden. Dann werden wir endlich verstehen, wonach wir eigentlich suchen und was diese scheinbar so erfüllende Erfahrung in Wirklichkeit ausmacht. Und in dem Augenblick werden wir die Erste Erkenntnis gewonnen haben.«
Das Essen kam, und wir unterbrachen unser Gespräch, während der Kellner Wein nachschenkte und wir gegenseitig von unseren Tellern naschten. Als sie über den Tisch langte, um sich einen Bissen Lachs von meinem Teller zu angeln, rümpfte sie die Nase und kicherte. Mir fiel wieder auf, wie sehr ich ihre Gesellschaft genoß.
»Okay«, sagte ich schließlich. »Nach welcher Erfahrung suchen wir? Wie lautet die Erste Erkenntnis?«
Sie zögerte, als sei sie sich nicht sicher, wo genau sie anfangen sollte. »Das läßt sich nicht so einfach erklären«, sagte sie. »Der Priester hat es folgendermaßen ausgedrückt. Er sagte: Die Erste Erkenntnis wird wirksam, sobald wir uns der Zufälle in unserem Leben bewußt werden.«
Sie beugte sich vor. »Hast du jemals eine Eingebung oder Ahnung bei irgendeinem Vorhaben gehabt, vielleicht wenn es um eine Veränderung in deinem Leben ging? Dich gefragt, wie genau es funktionieren könnte? Und nachdem du die Sache wieder halb vergessen hattest, führte dich eine Begegnung, irgendein Buch oder ein bestimmter Ort genau zu deinem Ziel.
Im Augenblick häufen sich diese Zufälle, und jedesmal, wenn sie sich ereignen, scheint es uns, als reichten sie weit über unseren Begriff von reinem Zufall oder Glück hinaus. Ein Gefühl der Vorherbestimmung tritt ein, so als würde unser Leben durch eine unerklärliche Kraft gesteuert. Dieses Erleben hat etwas Geheimnisvolles und Aufregendes, und deshalb fühlen wir uns lebendiger.
Der Priester erklärte, daß wir alle bereits kurze Momente dieser Empfindung hatten und bemüht sind, diesen Zustand festzuhalten. Jeden Tag sind mehr Menschen davon überzeugt, daß diese mysteriösen Gefühlsregungen echt sind, daß sie etwas zu bedeuten haben, daß noch etwas anderes hinter unserem Alltag liegt. Sich dessen voll bewußt zu sein, darin besteht die Erste Erkenntnis.«
Sie blickte mich erwartungsvoll an, doch ich sagte nichts.
»Verstehst du nicht?« fragte sie. »Die Erste Erkenntnis ist eine neue Sicht auf das Geheimnis des menschlichen Lebens. Wir alle unterliegen diesen merkwürdigen Fügungen, und obwohl wir sie noch nicht verstehen, wissen wir doch, daß sie real sind. Wie damals in unserer Kindheit fühlen wir, daß noch eine andere Seite des Lebens existiert, eine, die es noch zu entdecken gilt -etwas, was sich hinter den Kulissen abspielt.«
Charlene lehnte sich noch weiter vor und gestikulierte wild, während sie sprach. »Du glaubst wirklich daran, nicht wahr?« fragte ich.
»Ich erinnere mich an Zeiten«, sagte sie streng, »in denen du derjenige gewesen wärst, der über derartige Erfahrungen gesprochen hätte.«
Diese Bemerkung traf mich. Sie hatte recht. Es hatte in meinem Leben tatsächlich eine Zeit gegeben, in der ich derartige Fügungen erlebt und sogar versucht hatte, sie psychologisch zu verstehen. Doch irgendwann hatte sich meine Betrachtungsweise verändert. Aus irgendeinem Grund hatte ich damit begonnen, derartige Betrachtungen für unreif und unrealistisch zu halten, und schließlich ganz aufgehört, sie zur Kenntnis zu nehmen.
Ich blickte Charlene in die Augen und verteidigte mich. »Vermutlich beschäftigte ich mich zu jener Zeit gerade mit östlicher Philosophie oder christlicher Mystik. Wie dem auch sei, das, was du die Erste Erkenntnis nennst, ist bereits tausendfach beschrie ben worden. Was soll jetzt plötzlich neu daran sein? Auf welche Weise kann die Wahrnehmung irgendwelcher geheimnisvoller Begebenheiten zur Transformation der menschlichen Kultur führen?«
Charlene blickte einen Moment lang vor sich auf den Tisch und dann wieder mir in die Augen. »Versteh mich nicht falsch«, sagte sie. »Dieses Bewußtsein ist natürlich schon vorher erfahren und beschrieben worden. Der Priester wies mich extra darauf hin, daß es sich bei der Ersten Erkenntnis nicht um etwas sonderlich Neues handelt. Er sagte, daß sich einzelne Menschen immer dieser unerklärlichen Fügungen bewußt gewesen seien und daß sie hinter vielen großen philosophischen und religiösen Ansätzen stehen. Der Unterschied besteht in der Häufigkeit ihres Auftretens. Dem Priester zufolge ist jetzt die Zeit für die Transformation gekommen, weil sich immer mehr Individuen dieser Fügungen bewußt sind«. »Und was genau soll das bedeuten?« fragte ich.
»Er sagte, daß sich die Anzahl dieser Menschen mit dem Einsetzen der sechsten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts sprunghaft vermehren würde. Er meinte weiterhin, daß die Zahl bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts drastisch zunehmen wird, bis die kritische Masse erreicht ist.[/block]
WE Are ONE.
Without doubts.
Forever.
Without doubts.
Forever.